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Google Fonts: So vermeiden Sie die Abmahnung

2022 bekamen tausende Betriebe Post: Ihre Website lade Schriften von Google, dabei sei die IP-Adresse eines Besuchers ohne dessen Zustimmung an Google gegangen. Wer 100 bis 170 Euro zahle, sei die Sache los.

Die Welle ist vorbei, die Ursache bei vielen Seiten nicht: Sie laden ihre Schriften bis heute direkt von Google. Hier steht, worum es geht, was davon rechtlich trägt – und wie Sie das Thema in einer Viertelstunde für immer erledigen.

6 Minuten LesezeitVeröffentlicht am 29. September 2026Von Grischka Nimz & Jean-Michel Nimz

Worum es geht

Google stellt weit über tausend Schriften kostenlos bereit, und viele Website-Vorlagen binden sie direkt von Googles Servern ein. Das ist bequem, hat aber eine Folge: Jeder Browser, der Ihre Seite öffnet, holt sich die Schrift bei Google ab – und verrät Google dabei die IP-Adresse des Besuchers. Noch bevor dieser irgendetwas angeklickt hat.

Das Landgericht München I hat im Januar 2022 entschieden, dass das ohne Einwilligung unzulässig ist (Az. 3 O 17493/20). Der Betreiber hätte die Schrift genauso gut vom eigenen Server ausliefern können; ein berechtigtes Interesse, die Daten an Google zu geben, habe er deshalb nicht. Der klagende Besucher bekam 100 Euro Schadensersatz, und der Betreiber musste die Einbindung unterlassen.

Was aus der Abmahnwelle wurde

Nach dem Urteil suchten einzelne Absender mit Programmen massenhaft Websites nach Google Fonts ab und verschickten Forderungsschreiben. Viele Betriebe zahlten, um Ruhe zu haben. Die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelte später gegen einen der Absender und seinen Anwalt wegen des Verdachts auf versuchten Betrug und versuchte Erpressung; im Dezember 2022 wurden Räume durchsucht.

An der eigentlichen Frage ändert das nichts. Die Begründung aus München ist schlicht nachvollziehbar: Wer eine Schrift genauso gut selbst ausliefern kann, hat keinen Grund, die IP-Adressen seiner Besucher an Google zu geben. Das Problem ist nicht die Abmahnwelle, sondern die Einbindung – und die lässt sich leicht beheben.

Ist Ihre Seite betroffen?

Öffnen Sie Ihre Seite am Rechner, drücken Sie F12 (am Mac: Cmd + Option + I), wählen Sie den Reiter „Netzwerk“ und laden Sie die Seite neu. Geben Sie ins Suchfeld „fonts.g“ ein. Erscheinen Einträge von fonts.googleapis.com oder fonts.gstatic.com, lädt Ihre Seite Schriften von Google.

Schauen Sie dabei nicht nur auf die Startseite. Häufig kommen die Schriften über Umwege:

  • Vorlagen und SeitenbaukästenViele WordPress-Themes und Page-Builder laden Google Fonts von Haus aus – auch wenn Sie nie eine Schrift ausgesucht haben.
  • PluginsSlider, Formulare, Kalender: Jedes Plugin kann eigene Schriften mitbringen.
  • Eingebettete Karten und VideosEine Google-Karte oder ein YouTube-Video lädt ohnehin Inhalte von Google, oft auch Schriften. Das ist ein Fall für die Zwei-Klick-Lösung: Der Inhalt lädt erst, wenn jemand darauf klickt.

Die Lösung: Schriften vom eigenen Server

Sie müssen dafür weder die Schrift wechseln noch das Aussehen Ihrer Seite ändern. Die Datei liegt nur an einem anderen Ort:

  • 1. Schriftdateien herunterladenDirekt bei Google Fonts oder bequemer mit Werkzeugen wie dem „google-webfonts-helper“, der die Dateien im passenden Format samt fertigem CSS liefert. Das Format WOFF2 genügt für alle heutigen Browser.
  • 2. Auf den eigenen Server legenIn einen Ordner Ihrer Website, etwa /fonts.
  • 3. Einbindung umstellenDie Zeile, die fonts.googleapis.com lädt, wird durch eigene @font-face-Regeln ersetzt, die auf Ihre Dateien zeigen. Bei WordPress erledigen das manche Themes und Page-Builder per Schalter („Schriften lokal laden“) oder ein Plugin wie OMGF.
  • 4. NachprüfenNoch einmal wie oben in den Netzwerk-Reiter schauen. Es darf keine Anfrage mehr an fonts.googleapis.com oder fonts.gstatic.com gehen – auch nicht auf Unterseiten.

Rechtlich ist das unbedenklich: Die Schriften bei Google Fonts stehen unter freien Lizenzen, die das Selbsthosten ausdrücklich erlauben. Und meist wird die Seite dadurch sogar schneller, weil der Browser keine Verbindung zu einem weiteren Server aufbauen muss. Den früheren Vorteil, dass Besucher die Schrift schon von einer anderen Seite im Speicher hatten, gibt es ohnehin nicht mehr – Browser halten ihren Zwischenspeicher inzwischen für jede Website getrennt.

Und was ist mit Adobe Fonts, Icons und Co.?

Dieselbe Frage stellt sich bei allem, was der Browser beim Aufruf von fremden Servern lädt: Symbolschriften wie Font Awesome aus einem fremden Netzwerk, Programmbibliotheken von öffentlichen Servern, Adobe Fonts. Jedes Mal erfährt der fremde Anbieter die IP-Adresse Ihrer Besucher.

Die meisten davon lassen sich genauso auf den eigenen Server holen. Bei Adobe Fonts erlaubt die Lizenz das in der Regel nicht – dort bleibt nur, vorher um Zustimmung zu fragen oder auf eine freie Schrift umzusteigen.

Auf dieser Website stammen die Schriften übrigens auch von Google Fonts. Sie werden beim Bauen der Seite einmal heruntergeladen und danach von unserem eigenen Server ausgeliefert. Kein Besucher-Browser fragt dafür je bei Google an.

Wie steht Ihre Seite heute da?Der kostenlose Website-Check zeigt in einer halben Minute, ob Ihre Seite Schriften oder andere Inhalte von Google-Servern lädt, bevor jemand zugestimmt hat.Kostenlos prüfen

Häufige Fragen dazu

Ich habe ein solches Schreiben bekommen. Muss ich zahlen?

Zahlen Sie nicht ungeprüft, ignorieren Sie das Schreiben aber auch nicht. Stellen Sie zuerst die Einbindung um, damit kein weiterer Fall entsteht. Ob die Forderung berechtigt ist, sollte ein Anwalt beurteilen.

Reicht es, Google Fonts in den Cookie-Banner aufzunehmen?

Das geht, ist aber umständlich: Wer ablehnt, sieht Ihre Seite in einer Ersatzschrift, und der Banner wird länger. Die Schrift vom eigenen Server zu laden ist einfacher und für alle Besucher gleich.

Google ist doch nach dem EU-US-Datenschutzrahmen zertifiziert. Reicht das nicht?

Nein. Der Datenschutzrahmen regelt, ob Daten in die USA übermittelt werden dürfen. Er ändert nichts daran, dass Sie für die Weitergabe der IP-Adresse an Google überhaupt einen Grund brauchen – und den gibt es nicht, wenn die Schrift genauso gut von Ihrem eigenen Server kommen kann.

Wird meine Seite dadurch langsamer?

In aller Regel nicht, eher schneller. Der Browser spart sich die Verbindung zu Googles Servern, und die Schrift kommt vom selben Server wie der Rest der Seite.

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Sollen wir das für Sie umstellen?

Schicken Sie uns die Adresse Ihrer Seite. Wir sehen nach, woher Ihre Schriften kommen, und holen sie auf Ihren eigenen Server – bei den meisten Seiten ist das schnell erledigt.

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